Full Text - Section 72

Termosesow wischte die Feder an seinem Rockschoß ab, tauchte sie ein und reichte sie Bornowolokow.

»Was soll ich schreiben?«

Termosesow räusperte sich und diktierte:

»Der Hundsfott Termosesow …​«

Bornowolokow stutzte und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

»Wollen Sie wirklich, daß ich diese Worte schreibe?«

»Selbstverständlich. Schreiben Sie nur: ›Der Hundsfott Termosesow‹.«

»Danke ergebenst. Bitte, weiter.«

Fünfzehntes Kapitel.

Der Sekretär stand hinter dem Stuhle Bornowolokows und blickte über seine Schulter, während er weiterdiktierte: »Der Hundsfott Termosesow ist auf eine ebenso unbegreifliche wie geniale Weise in den Besitz meines eigenhändigen Briefes an Sie gelangt, in welchem ich so unvorsichtig war, alles das zu schreiben, was Sie auf diesem Blatte von der Hand eben dieses Halunken Termosesow geschrieben lesen.«

»Schluß?«

»Nein, noch etwas. Bitte, schreiben Sie: ›Wie er sich den Brief hat verschaffen können, den ich persönlich zur Post brachte, vermag ich nicht zu ergründen. Die Tatsache aber mag Ihnen ein Beweis für die Kühnheit und Gewandtheit dieses Lumpen sein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mir keine Ruhe zu lassen und mich so lange zu schikanieren, bis Sie ihm einen einträglichen Posten verschafft haben. Ich beschwöre Sie deshalb um unser beider Wohlergehen willen, für ihn selbst das Unmögliche möglich zu machen. Im anderen Falle droht er damit, alles aufzudecken, was wir in der Zeit unserer revolutionären Dummheiten begangen haben.‹«

»Kann der letzte Satz nicht geändert werden?«

»Nein. Ich bin wie Pilatus: was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.«

Bornowolokow schrieb das Bekenntnis seiner Schmach zu Ende und schob das Papier weg.

»Nun haben Sie hier noch den Bericht über die Geistlichkeit und die gefährliche Stimmung in der Gesellschaft zu unterzeichnen.«

Bornowolokow nahm die Feder wieder, las das Schriftstück noch einmal durch, überlegte und sagte:

»Was haben diese Leute, Tuberozow und Tuganow, Ihnen eigentlich getan?«

»Nicht das geringste.«

»Vielleicht sind es ausgezeichnete Menschen.«

»Sehr möglich.«

»Warum verleumden Sie sie denn? Was hier steht, ist doch Verleumdung?«

»Nicht durchweg, nur ein wenig.«

»Ja, wozu dies alles?«

»Was soll ich machen? Ich muß zeigen, was ich kann. Ihr Blaublütigen habt Onkel und Tanten, die sich für Euch bemühen, Parvenüs wie wir müssen alles selber machen.«


Looking for comments…

Searching Nostr relays. This may take a moment the first time this article is opened.