Full Text - Section 65

»Nein, das tut er nicht.«

»Er soll dir doch mal einen Stock weggenommen haben.«

»Was ist denn dabei?«

»Und einen Dummkopf hat er dich genannt?«

»Ich weiß nicht, vielleicht hat er mich auch mal so genannt.«

»Wollen wir ihn für seine heutigen Reden denunzieren?«

»Wa—​a—​a—​as?«

»Das!!«

Termosesow bückte sich, holte Achillas Hut unter dem Stuhl hervor und warf ihn vor die Schwelle.

»Du bist eine Petersburger Kanaille,« sagte der Diakon und bückte sich nach dem Hute. In diesem Augenblick aber traf ihn ein dröhnender Schlag in den Nacken und er lag mit der Nase im Sande des Gartenweges, wohin ihm sein Hut alsbald nachgeflogen kam und wo ein paar Schritte weiter auch der Lehrer hockte. Der Diakon begriff erst gar nicht, wie das gekommen war, aber als er Termosesow in der Tür stehen und ihm mit einem Spaten drohen sah, wurde es ihm klar, warum der Schlag so schwer gewesen war und eine so breite Fläche getroffen hatte. Er sagte:

»Das nennt sich also Blachdnublach. Danke für freundliche Belehrung.«

Hierauf wandte er sich zum Lehrer:

»Nun? Gehen wir heim, lieber Freund?«

»Ich kann nicht,« sagte Warnawa.

»Warum nicht?«

»Ich bin voll blauer Flecke und der Wopf tut mir keh.«

»Laß den Wopf nur keh tun, das geht vorüber. Komm nach Hause. Ich begleite dich.« Und mitleidig half der Diakon dem Lehrer auf und führte ihn zum Gartentor hinaus.

Siebentes Kapitel.

Aufs äußerste erregt und verstört kam der Propst heim. Da das Fest beim Polizeichef so lange dauerte, hatte die daheimgebliebene Natalia Nikolajewna, wider ihre sonstige Gewohnheit, die Heimkehr ihres Gatten nicht abgewartet und sich zu Bett gelegt, die Tür nach ihrem Schlafzimmer aber offen gelassen. Sie wollte durchaus aufwachen, wenn ihr Mann zurückkehrte.

Tuberozow wußte, was die offene Türe zu bedeuten hatte und rief beim Eintreten seine Frau beim Namen. Sie erwachte und erwiderte seinen Gruß.

»Du schläfst nicht?«

»Nein, Liebster, Sawelij Jefimytsch, ich schlafe nicht.«

»Das ist gut, ich möchte mit dir reden.«

Der Alte setzte sich auf den Bettrand und erzählte seiner Gattin das Gespräch mit dem Adelsmarschall und beklagte sich, wie gleichgültig alle sich zu der immer mehr in Rußland aufkommenden Anschauung verhalten, daß sich ein gebildeter Mensch des Glaubens schämen müsse. Er drückte ihr seine Befürchtungen aus, daß die guten Sitten und die hohen Ideale in Verfall geraten könnten, ja müßten.

Natalia Nikolajewna unterbrach ihn mit keiner Silbe, denn er sprach mit einem Freimut, wie er ihn sonst nirgendwo hätte zum Ausdruck bringen dürfen.


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