Full Text - Section 63

Es schien ihr nicht sehr angenehm, aber sie sagte trotzdem ja.

»Irgendein Gesöff wird sich bei dir wohl finden?«

Daria Nikolajewna wurde verlegen. Gerade heute hatte sie vergessen, Wein holen zu lassen, und erinnerte sich auch, daß man heute mittag die letzte Flasche Xeres so gut wie leer getrunken hatte. Termosesow bemerkte ihre Verlegenheit und sagte:

»Na, Bier wird es doch wenigstens geben?«

»Bier ist da.«

»Das wußte ich. Bier haben die von der Akzise immer. Hast du auch Meth?«

»Ja.«

»Das ist ja famos! Nun, meine Herrschaften, wir haben Bier und Meth, und da braue ich euch ein Blachdnublach zusammen, daß ihr …​« Termosesow küßte seine Finger und beschloß: »daß ihr zum Schluß die eigene Zunge mit verschlucken sollt.«

»Was ist das für ein Blech und Blech?« fragte Achilla.

»Nicht Blech und Blech, sondern Blachdnublach — ein Getränk aus Bier und Meth. Vorwärts!« Und er zog Achilla am Ärmel.

»Warte doch,« widersetzte sich der Diakon. »Was ist denn das für ein Blech und Blech? Bei Begräbnissen trinkt man es und nennt es ›Biermeth‹.«

»Ich sage dir aber, es ist kein Biermeth, sondern Blachdnublach. Vorwärts!«

»Nein, warte!« protestierte der Diakon wieder. »Ich kenne diesen Biermeth …​ Eins, zwei, drei, liegt man da wie ein Klotz. Ich trink' das Zeug nicht.«

»Ich sag' dir doch, es gibt Blachdnublach und nicht Biermeth!«

»Und doch sollten wir’s heut nicht mehr trinken,« antwortete der Diakon. »Sonst gibt’s morgen einen wüsten Brummschädel.«

Prepotenskij war derselben Ansicht, aber keiner von beiden besaß Charakterfestigkeit genug, seine Meinung durchzusetzen, und so blieb Termosesow schließlich Sieger und schleppte sie in die Wohnung der Biziukina. Sein Plan war, das Gesöff in der Laube einzunehmen, und so wurden alsbald eine Unmenge Bier- und Methflaschen nebst dem dazu gehörigen Imbiß dorthin gebracht, und Termosesow begann sofort mit der Bereitung des Blachdnublach.

Warnawa Prepotenskij hatte sich neben Termosesow gesetzt. Der Lehrer wollte den Gast sofort zur Rede stellen, weshalb er vor Tuganow so gekatzbuckelt und ihn bei seinen Angriffen gegen ihn, Warnawa, unterstützt hatte.

Aber zum größten Erstaunen Prepotenskijs schien Termosesow nicht die geringste Lust zu haben, mit ihm zu plaudern, denn statt der erwarteten freundlichen Antwort kam es schroff und ungeduldig von seinen Lippen:

»Wir sind alle gleich: Kleinbürger, Adel und niederes Volk. Lassen Sie mich mit Ihrer Politik in Frieden, ich will jetzt trinken.«

»Aber Sie müssen doch zugeben, daß Leute mit Besinarmildung etwas Besseres sind, als …​« stammelte Warnawa verwirrt.

»Da haben wir’s!« unterbrach ihn Termosesow. »Erst das liebste Hühnerauge, und jetzt die Besinarmildung! Der richtige Cicero!«

»Das passiert ihm oft, wenn er aufgeregt ist. Er will ein Wort sagen und es kommt ein anderes heraus,« trat Achilla für Prepotenskij ein und erzählte, wie der Lehrer infolge dieses Defekts einmal beinahe um den Verkehr in einem sehr feinen Hause gekommen wäre. »Er hatte zu der Wirtin sagen wollen: ›Matrona Iwanowna, darf ich noch um ein Zitronenscheibchen bitten?‹ — und sagte statt dessen: ›Zitrona Iwanowna, bitte noch ein Matronenscheibchen!‹ was die Dame natürlich als Beleidigung auffaßte.«

Termosesow wollte sich ausschütten vor Lachen, faßte aber plötzlich Warnawas Hand, beugte sich zu ihm herab und flüsterte ihm ins Ohr:

»Geh sofort und schreib mir auf, was die Pfaffen und Edelleute heut geredet haben. Ich meine das von der Gewissensfreiheit und der Unduldsamkeit …​ Mit einem Wort: alles, alles …​«

»Wozu denn?« fragte der Lehrer erstaunt.


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