Full Text - Section 54
Bei diesem Bericht räusperte sich Termosesow, klopfte Prepotenskij auf das Knie und sagte leise:
»Also, Herr Professor, ich beauftrage Sie hiermit, mir morgen früh diesen Kleinbürger unbedingt herbeizuschaffen.«
»Den Danilka?«
»Ja, den der Diakon beleidigt hat.«
»Das ist ja eine Kleinigkeit.«
»Also her mit ihm!«
»Morgen in aller Frühe ist er hier.«
»Recht so. Sie sind ein Prachtkerl, Prepotenskij!« lobte ihn Termosesow, und da in diesem Augenblick die Hausfrau wieder eintrat, wandte er sich an sie: »Hören Sie, er gefällt mir ausnehmend, und wenn er mich mit dem Popen Tuberozow bekannt macht, so nenn' ich ihn einen ganz klugen Kopf.«
»Ich kann ihn nicht ausstehn und rate Ihnen nicht, seine Bekanntschaft zu machen,« stammelte Warnawa, »wenn Sie es aber für nötig halten …«
»Es ist sehr nötig, lieber Freund.«
»Dann kommen Sie heute mit zum Abendessen beim Polizeichef, dort lernen Sie unsere ganze Gesellschaft kennen.«
»Schön. Ich geh überall hin. Aber ich muß doch eingeladen sein.«
»Ach, das ist ganz leicht zu machen,« fiel ihm der Lehrer ins Wort. »Ich werde sofort zum Polizeichef gehen und ihm im Namen von Daria Nikolajewna mitteilen, sie bäte um Erlaubnis, abends ihren Petersburger Gast mitzubringen.«
»Prepotenskij, komm in meine Arme!« rief Termosesow, und als der Lehrer aufstand und auf ihn zuging, küßte er ihn. Dann drehte er ihn linksherum und sagte: »Geh und handle!«
Stolz und seines Ruhmes nun völlig sicher, nahm Warnawa seine Mütze und ging. Nach einer Stunde, die Termosesow dazu benutzt hatte, der Biziukina klarzumachen, daß man keinen Dummkopf merken lassen dürfe, für wie dumm man ihn halte, kam der Lehrer mit der Botschaft zurück, Porochontzews wären sehr erfreut, die Herrschaften heute abend bei sich zu sehen.
»Und was den Kleinbürger Danilka betrifft, den Sie kennen lernen wollten,« fügte er endlich hinzu, »so habe ich ihn bereits ausfindig gemacht. Er steht draußen vor dem Tor.«
Termosesow belobte Warnawa nochmals für seine Findigkeit, stand auf und bat den Lehrer, ihn an irgendeinen stillen Ort zu führen, wo er ungestört mit Danilka reden könne.
Prepotenskij führte Ismail Petrowitsch in die leere Kanzlei des Akziseeinnehmers und stellte ihm dort den Kommissar vor.
»Guten Tag, Bürger,« begrüßte ihn Termosesow. »Wie hat Sie der hiesige Diakon neulich morgens beleidigt?«
»Er hat mich gar nicht beleidigt.«
»Gar nicht? Sagen Sie mir alles frei und offen, wie dem Popen in der Beichte, denn ich bin ein Freund des Volkes, kein Feind. Der Diakon Achilla hat Sie gekränkt?«
»Nein, er hat mich nicht gekränkt. Wir haben das schon unter uns erledigt.«
»Wie kann man das erledigen? Er hat Sie doch am Ohr durch die Stadt gezerrt!«
»Was ist denn dabei? Das sind ja nur Dummheiten.«
»Wieso Dummheiten? Eine Beleidigung ist es. Bedenken Sie, Bürger, er hat Sie am Ohr gerissen!«
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