Full Text - Section 52

»Was? Das schwarze Vieh brüllt, weil es fressen will, und es bittet das weiße, es etwas höflicher zu behandeln,« sagte Termosesow ruhig.

Bornowolokow knirschte vor Wut mit den Zähnen und drehte sich schweigend zur Wand.

»Aha! So ist’s schon besser! Zähme deinen Zorn, edler Fürst, und bilde dir nicht so viel darauf ein, daß du weiß bist, sonst mal' ich dich so schön an, daß du grau-gelb-grün schimmern wirst und im Schatten blau mit schwarzen Pünktchen. Vergiß nicht, daß ich dir als Zuchtrute mitgegeben bin; ich bin der Dorn in den Blättern deines Kranzes. Trage mich mit Ehrfurcht.«

Der gemarterte Bornowolokow unterdrückte einen Seufzer und stellte sich schlafend. Der triumphierende Sieger aber schlief wirklich ein.

Elftes Kapitel.

Daria Nikolajewna war mit ihrer gesamten Dienerschaft eifrig bemüht, ihren Appartements das frühere Aussehen wiederzugeben. An den Wänden reihte sich bald wieder Bild an Bild, vor den Kamin stellte sie einen kostbaren Schirm, auf den Kamin selbst eine schwarze Marmoruhr mit einem Perpendikel in Gestalt eines Sternes, über die Tische breiteten sich neue kostbare Decken; Lampen, Porzellan, Bronzen, Statuetten und allerlei Kleinkram bedeckten jeden freien Platz im Salon und Schlafzimmer, so daß die Wohnung bald an das Logement einer reichen Halbweltdame erinnerte, die sich von ihren Verehrern die unnützesten Dinge ohne Sinn und Verstand hatte schenken lassen.

Noch als die Arbeit im besten Gange war, erschien unerwartet der Lehrer Prepotenskij und war völlig verblüfft. Natürlich konnte er diesen »Schick« nicht billigen. Als aber Daria Nikolajewna, die ihn gar nicht beachtete, die Unverschämtheit hatte, den Dienstboten zu befehlen, in Gegenwart des Lehrers die Überzüge von den Möbeln abzunehmen, da wurde es ihm zu viel, und er fragte:

»Und Sie schämen sich nicht?«

»Ganz und gar nicht.«

»Das ist einfach unverschämt!« rief Prepotenskij, setzte sich in eine Ecke und nahm ein neues Buch vor.

In diesem Augenblick hörte man Termosesow im Nebenzimmer husten. Kurz entschlossen meinte die Biziukina:

»Gehn Sie raus!«

Das kam so unerwartet, daß sogar Prepotenskij den harten Sinn dieser Worte nicht begriff und die Dame ihren Befehl wiederholen mußte.

»Raus?« fragte der verblüffte Lehrer noch einmal.

»Ja. Ich wünsche Sie nicht mehr in meinem Hause zu sehn.«

»Meinen Sie das im Ernst?«

»Vollkommen im Ernst.«

Im Zimmer der Gäste wurde es wieder laut.

»Gehn Sie bitte hinaus, Prepotenskij,« rief die Biziukina ungeduldig. »Hören Sie? Hinaus!«

»Aber ich bitte Sie, ich störe doch gar nicht.«

»Doch, Sie stören!«

»Ich kann mich ja bessern.«

»Sie sind unverbesserlich,« widersprach die Hausfrau ungeduldig und suchte den Gast von seinem Platze zu vertreiben.

Allein auch Prepotenskij zeigte sich als Mann von Charakter und verlangte ruhig, aber fest eine Erklärung, warum sie ihn für unverbesserlich halte.

»Weil Sie ein kompletter Esel sind!« schrie endlich die Biziukina ganz außer sich.


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