Full Text - Section 51

Termosesow dämpfte die Stimme noch mehr und fuhr fort:

»Erinnern Sie sich noch, wie wir schon hier in der Gouvernementsstadt auf dem Heimweg aus dem Klub mit dem Kanzleivorsteher sprachen, und wie er einen freisinnigen Popen erwähnte, welcher sogar frech gegen Seine Exzellenz geworden sei?«

»Ja.«

»Daran haben Sie natürlich nicht gedacht, daß dieser Pope Tuberozow heißt und daß er hier, in dieser Stadt amtiert, wo Sie sich auf dem Lotterbette rekeln und nichts über ihn zu melden imstande sein werden.«

Bornowolokow fuhr in die Höhe und fragte, aufrecht auf dem Bette sitzend:

»Wie können Sie wissen, was der Kanzleivorsteher mir gesagt hat?«

»Sehr einfach. Ich ging damals leise hinter Ihnen. Es ist gut, wenn man Sie immer im Auge behält. Aber das ist jetzt Nebensache. Wir müssen unsere Taktik zuerst an diesem Tuberozow erproben und seine Gemeingefährlichkeit, wie überhaupt die Gemeingefährlichkeit derartiger unabhängiger Charaktere unter den Geistlichen erweisen. So kommen wir zu dem logischen Ergebnis, daß die Religion überhaupt nur als ein Zweig der Verwaltung geduldet werden kann. Sobald aber der Glaube als wirklicher Glaube auftritt, ist er gefährlich und muß eingeschränkt, muß unter Kontrolle gestellt werden. Diesen Gedanken werden Sie als Erster verkünden, und man wird ihn stets in Verbindung mit Ihrem Namen wiederholen, wie man die Gedanken eines Macchiavelli und Metternich wiederholt. Sind Sie zufrieden mit mir, mein Herr und Gebieter?«

»Ja.«

»Und geben mir Vollmacht zu handeln?«

»Ja.«

»Wie soll ich dieses Ja verstehen? Heißt das, daß Sie es ebenfalls wollen?«

»Ja, ich will es.«

»Also! Manchmal heißt Ihr Ja nämlich zugleich Ja und Nein.«

Termosesow erhob sich vom Bette seines Gebieters und sagte:

»Wir armen Sklaven können nicht lange untätig sein. Uns hat keine gütige Fee die Mittel in die Hand gegeben, vom Nihilisten im Handumdrehen zum Satrapen zu werden. Ich sorge für Sie, aber auch für mich. Ich mag nicht mehr hungern. Wo immer ich mich auch zeige, immer heißt’s ›ein Roter‹ — und niemand will mich nehmen.«

»Waschen Sie sich weiß.«

»Wo soll ich die Seife hernehmen?«

»Warum haben Sie sich nicht in Petersburg als Spion gemeldet?«

»Ich hab’s versucht,« antwortete Termosesow ungeniert, »aber wir leben in einem realistischen Zeitalter: alle einträglichen Stellen waren schon besetzt. Man muß sich erst irgendwie bewährt haben, wurde mir gesagt.«

»So bewähren Sie sich doch.«

»Geben Sie mir Gelegenheit, zu zeigen, was ich kann. Sonst fang' ich, bei Gott, mit Ihnen an.«

»Vieh!« zischte Bornowolokow.

»M—​m—​m—​mu—​u—​uh!« brummte Termosesow ganz laut.

Bornowolokow sprang auf, faßte sich entsetzt an den Kopf und rief:

»Was soll das noch?«


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