Full Text - Section 48

Aber Daria Nikolajewna riß ihre Hand los und erwiderte zornig: »Sie werden aber zu frech.«

»Tä—​tä—​tä—​tä--! Zu frech! Ganz und gar nicht ›zu‹, sondern gerade, wie sich’s gehört,« spottete Termosesow und legte den andern, freien Arm um ihren Leib.

»Sie sind ein ganz unverschämter Mensch! Sie vergessen, daß wir uns kaum kennen,« schrie Daria Nikolajewna entrüstet und riß sich von ihm los.

»Ich bin nicht unverschämt und ich vergesse auch nichts! Termosesow ist bloß klug, schlicht, natürlich und praktisch — weiter nichts. Termosesow denkt einfach so: wenn du ein vernünftiges Frauenzimmer bist, dann weißt du, warum du mit einem Mann so intim redest, wie du mit mir geredet hast; weißt du aber selber nicht, warum du dich so benimmst, dann bist du eine Gans und es hat keinen Sinn, dich schonend zu behandeln.«

Madame Biziukina wollte natürlich klug sein.

»Sie sind sehr schlau,« sagte sie, das Gesicht abwendend.

»Schlau! Was braucht’s hier Schlauheit? Ja, wenn du mich liebst oder ich dir gefalle …​«

»Wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich Sie liebe?«

»Laß doch das Flunkern!«

»Nein, ich rede die Wahrheit. Ich liebe Sie gar nicht und Sie gefallen mir nicht im geringsten.«

»Quatsch keinen Blödsinn! Du liebst mich nicht? Nein, laß dir mal ganz was anderes sagen: ich fühle dich und verstehe dich und will dir offenbaren, wer ich bin, aber nur, wenn wir ganz allein und ungestört sind.«

Daria Nikolajewna schwieg.

»Verstehst du, wie ich es meine? Damit wir einander ganz kennen lernen, müssen wir mal zusammenkommen …​ Ein Rendezvous — verstehst du — natürlich zu politischen Zwecken.«

Daria Nikolajewna schwieg wieder. Termosesow seufzte, ließ ihre Hand leise los und sagte:

»O ihr Weiber im heiligen Rußland! Und ihr wollt es noch den Polinnen gleichtun! Nein, meine Lieben, mit denen nehmt ihr es noch lange nicht auf! Gebt den Ismail Termosesow einer Polin, sie würde nicht von ihm lassen und in Gemeinschaft mit ihm den Ararat auf den Kopf stellen!«

»Die Polinnen sind ganz was anderes,« sagte Daria Nikolajewna.

»Warum?«

»Sie lieben ihr Vaterland und wir hassen unseres.«

»Was ist denn dabei? Die Feinde der Polinnen sind also alle Feinde der Unabhängigkeit Polens und eure Feinde sind alle russischen Patrioten.«

»Das ist wahr.«

»Nun, wer ist also hier dein schlimmster Feind? Nenn ihn mir und du sollst sehn, wie er die ganze Schwere der Hand Termosesows spüren wird!«

»Ich habe viele Feinde.«

»Nenn mir die schlimmsten! Die allerschlimmsten!«

»Die schlimmsten sind zwei.«

»Die Namen dieser Unseligen! Die Namen!«


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