Full Text - Section 47

»Ja, ich weiß n…​«

Aber Termosesow unterbrach sie hart:

»Ja!« rief er. »Ja! Und damit genug! Weiter brauchst du mir nichts zu sagen. Gib mir dein Händchen. Gleich auf den ersten Blick habe ich erkannt, daß wir zueinander gehören, und eine andere Antwort habe ich von dir nicht erwartet. Jetzt keine Zeit verloren! Beweise mir deine Liebe durch einen Kuß.«

»Wollen Sie nicht ein Glas Tee?« stammelte Daria Nikolajewna, als ob sie diese Worte nicht gehört hätte.

»Komm mir nicht mit solchen Geschichten! Ich bin kein Teekessel, sondern ein Dampfkessel.«

»Dann ist Ihnen Wein vielleicht lieber?« flüsterte Daria, sich von ihm losmachend.

»Wein?« wiederholte Termosesow. »Du bist süßer als Myrrhen und Wein!« Und damit zog er Madame Biziukina an sich. »Laß uns verschmelzen in seligem Kusse«, flüsterte er und schloß ihr rotes Mündchen mit seinen Pferdelippen.

»Jetzt aber sag mir mal, warum bist du eine so renitente Monarchistin?« fragte er unmittelbar nach dem Kusse, die Hand der Dame seinen Augen nähernd.

»Ich bin gar nicht Monarchistin,« beteuerte die Biziukina hastig.

»Wem gilt denn deine Hoftrauer? Dem Maximilian von Mexiko?«

Und Termosesow wies lachend auf die schwarzen Streifen an ihren Fingernägeln, schob sie zur Seite und sagte: »Geh, wasch deine Hände!«

Daria Nikolajewna wurde feuerrot und war nahe daran zu weinen. Sie hatte sonst immer tadellos saubere Nägel. Sie eilte in ihr Schlafzimmer, wusch dort die Hände und kam lächelnd zurück.

»So,« sagte sie, »jetzt bin ich wieder Republikanerin, ich habe ganz weiße Hände.«

Der Gast aber drohte ihr mit dem Finger und meinte, der Republikanismus sei nur ein dummer Spaß.

»Was brauchen wir uns um die Republik zu kümmern?« sagte er. »Man kann damit bös reinfallen. Aber ich habe die photographischen Bildnisse sämtlicher regierender Herrschaften mit. Soll ich sie dir schenken, daß wir sie hier an die Wand hängen?«

»Ich habe sie ja selbst.«

»Wo sind sie denn? Wohl versteckt? He? Ich schwör’s beim Satan selber, daß ich’s erraten habe: du erwartetest unsern Besuch aus Petersburg, und um mit deinem Liberalismus zu prahlen, hast du sie versteckt! Dumm ist das, mein Töchterchen, sehr dumm! Bring sie mal fix her, ich hänge sie dir wieder auf.«

Die ertappte Einnehmersfrau wurde wieder bis an die Ohren rot, holte aber die eingerahmten Bildnisse aus dem Tischkasten heraus und brachte auf Termosesows Befehl Hammer und Nägel, worauf der Gast sich gleich an die Arbeit machte.

»Ich denke, wir bringen sie gleich hier an dieser Wand an,« sagte er, mit dem Finger durch die Luft fahrend.

»Wie Sie meinen.«

»Was nennst du mich immer noch Sie, wenn ich dich duze? Du sollst du sagen. Und nun gib mal die Bilder her.«

»Die hat alle mein Mann gekauft.«

»Sehr richtig von ihm, daß er die Obrigkeit hochachtet! Die Herren Minister hängen wir alle hier unten nebeneinander auf. Her damit! Wer ist das? Gortschakow. Der Kanzler. Ausgezeichnet! Er hat Rußland gerettet! Sehr nett von ihm! Dafür wird er als Erster aufgehängt.«

Als alle Bilder an der Wand befestigt waren, ergriff Termosesow die rechte Hand der Biziukina und drückte sie an seine Brust.

»Nicht wahr, ich habe ein heißes Herz?« fragte er, ihre Verlegenheit ausnutzend.


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