Full Text - Section 39

»Sankt Johann dem Krieger? Du sagst, zu Sankt Johann dem Krieger hättest du beten lassen?« unterbrach ihn der Diakon.

»Ja, Sankt Johannes dem Krieger.«

»Na, dann gratuliere ich, mein Lieber. Da habt ihr gar nicht zu dem richtigen Heiligen gebetet.«

»Wirst du wohl Ruhe halten, Diakon? Sei so gut,« fiel Vater Sawelij ein.

»Bitte, Nikolai, erzähle weiter.«

»Ja, Hochwürden, was ist da noch viel zu erzählen? Meine Geschichte ist so gut wie zu Ende. Einmal kamen wir mit Marfa Andrejewna von der Kapelle der Iberischen Mutter Gottes, als uns in der Petrowka-Straße der Wagen der Generalin Wichiorowa entgegenkam, in dem neben der Generalin auch Meta Iwanowna saß. Da begriff Marfa Andrejewna alles und …​ Sie mögen mir glauben, meine werten Herrschaften, oder nicht, — sie fing in der Kutsche leise, aber bitterlich zu weinen an.«

Der Zwerg schwieg.

»Nun, Nikola,« suchte der Propst ihn anzuspornen.

»Ja, was nun? Als wir nach Hause gekommen waren, sagte sie zu Alexei Nikititsch: ›Mein liebes Söhnchen, du bist ein rechter Schafskopf, daß du dich unterstehen konntest, deine Mutter zu betrügen und mir noch den Polizisten auf den Hals zu schicken.‹ Und damit ließ sie ihre Sachen packen und fuhr aufs Land.«

Fünftes Kapitel.

Nikolai Afanasjewitsch drehte sich auf seinem Stühlchen den Gästen zu und sagte: »Ich hatte Sie ja schon darauf aufmerksam gemacht, daß es eine ganz einfache und wenig interessante Geschichte sein würde. Und nun, Schwesterlein,« dabei stand er auf, »müssen wir auch fahren.«

Maria Afanasjewna erhob sich ebenfalls, aber der Diakon fing wieder an: Nikolai Afanasjewitsch habe nicht zum richtigen Heiligen beten lassen.

»Das ist nicht meine Sache, werter Vater Diakon,« rechtfertigte sich Nikolai Afanasjewitsch, während er seine Mütze suchte.

»Wieso denn nicht? Natürlich ist es deine Sache! Du mußt doch wissen, zu welchem Heiligen du betest!«

»Erlaubt mal, als ich zum erstenmal deshalb in die Kirche kam, gab ich dem Priester einen Zettel mit der Aufschrift ›um Rückkehr einer entflohenen Sklavin‹ und ein Fünfzigkopekenstück, darauf hielt der Priester einen Bittgottesdienst vor Sankt Johannes dem Krieger ab, und so ging es denn auch später.«

»Wenn die Dinge so stehen, taugt eben der Priester nichts.«

»Wieso? Wieso? Wieso? Wieso taugt der Priester nichts?« mischte sich plötzlich Vater Zacharia Benefaktow ins Gespräch.

»Weil er die Befugnisse seines Amtes nicht kennt,« erwiderte Achilla höchst selbstbewußt. »Wer betet denn um Rückkehr eines entflohenen Knechtes zu Sankt Johann dem Krieger?«

»Ja, was meinst du? Zu wem denn sonst? Zu wem? Zu wem?«

»Zu wem? Ihr habt es wohl vergessen? Neben dem Platz des Kirchenältesten hing früher an der Wand ein Blatt. Jetzt ist es fortgenommen. Allein ich erinnere mich noch ganz genau, welche Heiligen bei den verschiedenen Gelegenheiten anzurufen sind.«

»So.«

»Jawohl! und wenn Ihr’s wissen wollt, — zu dem Heiligen Theodor Tyron hätte gebetet werden müssen.«

»Du hast unrecht. Es war ganz richtig, daß sie den Johannes anriefen.«

»Blamiert Euch nicht, Vater Zacharia.«

»Ich sage dir, es war ganz richtig.«


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