Full Text - Section 35

»Keine Spaßmacherin war sie, sondern eine wirkliche Trösterin, werter Herr.«

»Was belehrst du ihn, Nikolai! Erzähle lieber, wie sie dich erbittert hat. Und wie sie dann alles wieder zum Besten kehrte,« rief der Propst.

»Ach, Hochwürden, das ist eine so alte Geschichte.«

»Er weiß von dieser seiner Erbitterung mit so viel Wärme zu erzählen,« wandte sich Tuberozow an die Gäste.

»Ja, Väterchen, sie, meine gnädige Herrin, verstand es, einen Menschen so zu erbittern und dann so zu trösten, wie nur ein Engel Gottes zu trösten vermag,« fiel der Zwerg sofort ein.

»Nun, so erzähle doch.«

»Ja, Nikolascha, erzähle, erzähle!«

»Nun, werte Herrschaften, ob Sie sich über mich lustig machen oder ob es Sie wirklich interessiert, — wenn die ganze Gesellschaft es wünscht, so will ich mich nicht widersetzen und Ihnen die Geschichte erzählen.«

Und er begann.

Drittes Kapitel.

»Es war kaum ein Jahr, nachdem meine gnädige Herrin mich von meiner früheren Herrschaft gekauft hatte. Ein Jahr in bittern Schmerzen lag hinter mir. Ich war von meiner Heimat und von meinen Lieben für immer getrennt. Natürlich ließ ich meinen Kummer nicht merken. Es war jedoch vergebens, denn die Selige hatte ihn längst erraten. Als nun mein Namenstag kam, geruhte sie mir zu sagen:

›Was soll ich dir denn zum Namenstage schenken, Nikolai?‹

›Mütterchen,‹ sag' ich, ›was brauch' ich Narr noch beschenkt zu werden? Ich bin auch so völlig zufrieden.‹

›Nein,‹ geruhte sie zu sagen, ›einen Rubel sollst du wenigstens haben.‹

Natürlich wagte ich nicht zu widersprechen und küßte ihr die Hand:

›Vielen Dank, Euer Gnaden!‹ sprach ich nur.

Und setzte mich wieder auf das Fußbänkchen gegenüber ihrem Sessel und strickte meinen Strumpf weiter. Nach einiger Zeit fragt sie wieder:

›Was wirst du mit dem Rubel anfangen, Nikolai, den ich dir morgen schenken will?‹

›Den schicke ich bei Gelegenheit meinem Vater.‹

›Und wenn ich dir zwei schenke?‹

›So bekommt mein Mütterchen den zweiten.‹

›Und wenn es drei werden?‹

›Dann soll auch mein Bruder Iwan Afanasjewitsch einen haben.‹

Da schüttelte sie den Kopf:

›Du hast aber viel Geld nötig, wenn du alle bedenken willst! Das kannst du, so klein wie du bist, ja dein Lebtag nicht verdienen.‹


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