Full Text - Section 34

»Unser gnädiger Herr Nikita Alexejewitsch Plodomasow und der gnädige Herr Parmen Semenowitsch Tuganow,« sagte er mit leiser und eintöniger Greisenstimme, »haben uns in ihrem eigenen und im Namen ihrer Frau Gemahlin befohlen, daß wir als ihre Diener Ihnen, gnädige Frau Olga Arsentjewna, ihren Glückwunsch darbringen. — Schwesterlein, wiederholt es,« wandte er sich an die neben ihm stehende Schwester, und als diese mit ihrer Gratulation fertig war, machte Nikolai Afanasjewitsch vor dem Polizeichef ebenfalls einen Kratzfuß und fuhr fort:

»Und auch Ihnen, gnädiger Herr Woin Wasiljewitsch, und der ganzen geehrten Gesellschaft einen herzlichen Glückwunsch zum frohen Familienfest. Und ferner habe ich, gnädiger Herr, Ihnen zu melden, daß mein gnädiger Herr und Parmen Semenowitsch Tuganow, die mich und meine Schwester als Gratulanten hierher gesandt haben, es gütigst zu entschuldigen bitten, daß sie ihren Glückwunsch durch uns unwürdige Knechte darbringen lassen; aber sie können leider über ihre Zeit nicht verfügen. Sie wollen sich heute abend noch persönlich deswegen entschuldigen.«

»Parmen Semenowitsch will herkommen?« rief der Polizeichef.

»Mit meinem gnädigen Herrn Nikita Alexejewitsch Plodomasow, der sich auf der Durchreise nach Petersburg hier aufhält, und um Vergebung bittet, wenn er im Reiseanzug erscheint.«

Der Gesellschaft bemächtigte sich bei dieser Mitteilung eine leichte Erregung, welche der Zwerg benutzte, um auf Tuberozow zuzugehen und seinen Segen entgegenzunehmen. Dabei sagte er leise:

»Parmen Semenowitsch bittet, Ihr möchtet heute abend auch hier sein.«

»Sag' ihm, Lieber, ich würde kommen,« erwiderte Tuberozow.

Der Zwerg empfing dann auch von Zacharia den Segen. Der Diakon Achilla ergriff die Hand des kleinen Mannes, der sich ehrerbietig vor ihm verbeugte und dabei lächelnd sagte:

»Ich bitte Euch nur, werter Herr, versucht Eure Heldenkraft nicht an mir.«

»Ist er denn so kräftig, Nikolai Afanasjewitsch?« scherzte der Hausherr.

»Er gibt gern Proben seiner Kraft,« antwortete der Alte. »Aber lohnt es sich an einem Krüppel?«

»Wie steht’s mit der Gesundheit, Nikolai Afanasjewitsch?« fragten die Damen, welche den Zwerg von allen Seiten umringt hatten und seine Händchen drückten.

»Ach was Gesundheit, meine werten Damen! Es ist ein Spott und eine Schande! Wie ein Ferkelchen bin ich geworden. Der Sommer ist längst da, — und ich friere beständig.«

»Sie frieren?«

»Ei freilich. Schauen Sie mich bloß an. Ich bin ja ganz in Hasenwolle eingenäht. Aber was ist daran auch verwunderlich, werte Herrschaften? Ich unnützer Mensch habe doch schon die Achtzig hinter mir.«

Nikolai Afanasjewitsch wurde von allen Seiten mit Fragen überschüttet. Man setzte ihn an den Tisch, reichte ihm die Speisen. Er antwortete allen klug und gewandt, rührte aber von den Speisen nichts an: er äße längst schon sehr wenig, und auch dann nur höchstens ein leichtes Gemüse. »Aber die Schwester wird essen,« sagte er, sich zu dieser wendend. »Eßt nur, Schwesterlein, eßt. Geniert Euch nicht. Wollt Ihr aber ohne mich nicht essen, dann bitte ich Olga Arsentjewna um etwas Möhrenfüllung aus der Pastete hier auf dieses kleine Tellerchen …​ So ist’s recht. Danke schön, danke! Was brauch' ich überhaupt noch zu essen? Ich kann ja gar nichts mehr. Nicht einmal einen Zwirnstrumpf bring' ich mehr ordentlich fertig. Und früher konnte ich doch viel besser stricken als die Schwester, sogar ~Broderies anglaises~ verstand ich zu flechten; aber jetzt lasse ich beständig die Maschen fallen.«

Der Propst sah dem Zwerge mit glücklichem Lächeln in die Augen:

»Wenn ich dich betrachte, Nikolai, so denke ich an ein lieber altes Märchen, mit dem man sterben möchte.«

»Ach, Väterchen, unser liebes Märchen ist vor uns heimgegangen.«

»Vergißt du sie nicht schon, deine Herrin? Die Bojarin Marfa Andrejewna?« fragte, sich ihm nähernd, der Diakon Achilla, welchen der Zwerg immer noch ein wenig zu fürchten schien.

»Zum Vergessen bin ich schon zu alt, Vater Diakon, ich denke lange schon daran, daß es für mich Zeit wird, ihr in jener Welt wieder zu dienen,« erwiderte er leise und sich halb dem Diakon zukehrend.

»Sie war eine trostreiche Frau, diese Alte,« sagte der Diakon, ohne seine Rede an eine bestimmte Person zu richten.

»In welchem Sinne trostreich? Wie meinst du das?« fragte Tuberozow.

»Spaßig war sie.«

Der Propst lächelte und machte eine abwehrende Handbewegung. Nikolai Afanasjewitsch aber fiel Achilla ins Wort und sagte sehr bestimmt:


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