Full Text - Section 31
»Das tu ich.«
»Tust du’s? Nun, so tu es lieber nicht. Nicht deine Kraft hat dich gerettet, sondern das da,« — sagte der Propst und zog den Diakon am Ärmel seiner Kutte.
»Wollt Ihr mir das zum Vorwurf machen, Vater Propst? Ich bin mir der Würde meines Amtes bewußt.«
»So? Du bist dir der Würde deines Amtes bewußt?«
Mit diesen Worten trat der Propst dem Diakon einen Schritt näher, schlug sich mit der flachen Hand auf das Knie und flüsterte:
»Ist es Euch vielleicht bekannt, Vater Diakon, wer mit den Handlungsgehilfen vor dem Kolonialwarenladen sitzt und Zigaretten raucht?«
Der Diakon wurde verlegen und erwiderte hastig:
»Ja, gewiß hab' ich, Vater Propst … Ich kann’s nicht leugnen … Aber das geschah nur aus Unvorsichtigkeit, Vater Propst, wirklich nur aus Unvorsichtigkeit.«
»Seht nur, ihr Leute, was wir für einen feinen Diakon haben, wie famos er die Zigaretten zu drehen versteht.«
»Nein, wirklich, Vater Propst, nicht deswegen war es. Was hätt' ich mich groß damit zu rühmen? In bezug auf das Tabakskraut sind auch andere geistliche Personen nicht sehr enthaltsam.«
Tuberozow maß den Diakon von Kopf bis zu Fuß mit einem sehr vielsagenden Blick, dann warf er den Kopf zurück und fragte:
»Was willst du damit sagen? Daß der Propst auch Tabak raucht, nicht wahr?«
Der Diakon war so verlegen, daß er nichts zu erwidern vermochte.
Tuberozow wies mit der Hand nach der Zimmerecke, wo seine drei Pfeifen standen.
»Was rauche ich wohl, Vater Diakon?«
Der Diakon schwieg.
»Habt die Güte, mir Antwort zu geben. Was rauche ich? Rauche ich Pfeifen?«
»Ihr raucht Pfeifen,« antwortete der Diakon.
»Pfeifen? Ausgezeichnet. Und wo rauche ich sie? Rauche ich sie zu Hause?«
»Ihr raucht sie zu Hause.«
»Manchmal rauche ich auch eine bei guten Freunden, die ich besuche.«
»Ihr raucht auch manchmal bei guten Freunden.«
»Aber nicht mit Ladenjungen vor dem Tor!« rief Tuberozow und schlug mit dem rechten Zeigefinger drohend gegen die linke Handfläche. »Geh jetzt deines Weges und hab' Acht auf dich,« schloß er. »Es kommt eine neue Ordnung, es wird ein neues Gerichtsverfahren eingeführt, es kommen neue Gebräuche, nichts soll mehr im Verborgenen bleiben, sondern alles offenbar werden; dann werde ich dich nicht mehr schützen können.«
Nach diesen Worten trat der Propst mit seinem großen Fuß auf einen Strohstuhl und langte vorsichtig den gelben Käfig mit dem Kanarienvogel herunter.
»Pfui! Daß Gott sich erbarme! Da hab' ich den Glauben verteidigen wollen und wieder war’s ein Reinfall!« brummte Achilla vor sich hin, als er das Haus des Propstes verlassen hatte und mit schnellen Schritten auf ein kleines gelbes Häuschen zuging, aus dessen offenen Fenstern ein ganzer Haufen blonder Kinderköpfchen herausguckte.
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