Full Text - Section 21

Natalia Nikolajewna schickte den Diakon ihrem Gatten nach, und der schnellfüßige Achilla hatte den Propst auch bald eingeholt.

»Was rennst du so …​ und fauchst und schnaufst und stampfest?« fragt ihn Sawelij, als er seine Schritte hinter sich hört.

»Das …​ das tu ich immer, Vater Sawelij, wenn ich laufe. Habt Ihr es nie bemerkt?«

»Nein, bisher nicht. Aber sprich doch mit dem Arzt, er hilft dir vielleicht.«

»Jawohl, der Arzt! Redet mir nur nicht von dem, Vater Sawelij! — Er hat mich heute ganz aus der Fassung gebracht. Denkt Euch diese Frechheit, Vater Propst …​« Der Diakon beugt sich zu dem Ohre des Propstes, und nachdem er ihm die Gemeinheit des Arztes leise mitgeteilt hat, fügt er laut hinzu: »Nun sagt selbst, ist das nicht furchtbar unverschämt?«

»Ich finde nichts dabei,« erwidert der Propst, indem er langsam die Stufen vor dem Domportal emporsteigt. »Astragalus ist ein Fußknöchel, und ich verstehe nicht recht, was dich in solche Wut versetzt hat.«

Der Diakon tritt einen Schritt zurück und ruft erstaunt: »Ein Fußknöchel?«

»Ja freilich.«

Achilla schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirn:

»Ich Dummkopf!«

»Was hast du gemacht?«

»Nein, ich bitt' Euch, seid so gut, nennt mich einen Dummkopf!«

»Ja, weswegen denn?«

»Nein, nein, nennt mich nur so. Ich hätte diesen Arzt beinahe ersäuft.«

»Nun gut, mein Lieber, ich erfülle deinen Wunsch: du bist wahrhaftig ein Narr, und ich sage dir’s voraus, wenn du von dergleichen Narrengewohnheiten nicht bald lässest, so kommt es noch einmal dahin, daß du jemand ums Leben bringst.«

»Erbarmt Euch, Vater Sawelij, ich bin doch nicht ganz von Sinnen.«

»Überall, überall folgt dir der Unfrieden auf dem Fuße!«

»Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich bin für Frieden und Ordnung, aber es kommt immer anders.«

Hierauf erzählt Achilla in großer Hast, aber mit allen Einzelheiten, wie er gestern das Gerippe gestohlen und wie es dann wieder verschwunden und an seinem alten Platze erschienen sei. Tuberozow hört ihm zu. Seine Augen werden immer größer und größer, und unwillkürlich tritt er ein paar Schritte zurück, indem er ausruft:

»Großer Gott, was für ein unseliger Mensch!«

»Wer, Vater Sawelij?« meint Achilla, nicht weniger erstaunt.

»Du, mein Bester, du!«

»Aus welchem Grunde bin ich unselig?«

»Welch böser Geist treibt dich zu alledem?«

»Wozu?«


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